gedanken auf einer zugfahrt (and all that could have been)
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er hatte schon etwa ein jahr lang nicht mehr gesprochen, als meine mutter ihm erzaehlte, dass ich angefangen haette russisch zu lernen und er zu weinen begann.

wie gluecklich wir haetten sein koennen, wie gerne ich ihm die eltern meines menschen vorgestellt haette, wie sehr er sich gefreut haette, dass ausgerechnet jemand aus hamm - fast schon ruhrgebiet! - mein mensch geworden ist. aus einer dieser staedte in nrw, deren haesslichkeit ihm so vertraut war, seinem exil in salzgitter-lebenstaedt so aehnlich.
ein restaurant eingebettet im nachkriegseinkaufscarré mit dem charm von mindestens drei tankstellen im schwuelen hochsommer und wie sehr habe ich mir gewuenscht, fuer uns waere das auch moeglich gewesen. ueber zehn jahre war es da schon her, dass wir in einem genauso charmanten etablissement eine pizza zusammen gegessen hatten, wie immer zur feier des vergangenen schuljahrs, andere gruende zum feiern gab es wenig.

dass er den abschluss meines studiums nicht mehr miterlebt hat, ist nicht wichtig, denn im gegensatz zu meiner mutter, hatte er daran nie gezweifelt, ueberhaupt an mir nie, aber dass ich ihm nicht vom mitras-kult erzaehlen kann und, dass mir gleich aufgefallen ist, dass das persisiche 'mihr' (freundschaft) sicher urverwandt ist mit dem russischen 'mir' (frieden/welt -- welcher gedanke, ein wort dafuer zu haben!), und sanskrit 'mitras' (vertrag) einen gemeinsamen indoiranischen ursprung haben, und uns nicht darueber auszutauschen, wie es kam, dass dieses urwort so unterschiedliche bedeutungen annehmen konnte, das tut sehr weh.

ein mensch im fade-out, dachte ich manchmal und dass das wirklich schlechter stil ist, sonst in musikstuecken. aber fade-out trifft es nicht. denn es ist kein friedliches ausklingen und eingeschlafen ist er auch nicht. erstickt ist er an zu viel koerpereigenem wasser (oder sowas) in der lunge und ich war froh, dass ich auf das brodelnd blubbernde geraeusch vorbereitet war. wir hatten das besprochen, dass es wahrscheinlich eintreten wuerde frueher oder spaeter, dass man darauf noch eine weile warten und hoffen koenne, hatten wir besprochen, als ich meine beste freundin, angehende aerztin, um rat bat, welche moeglichkeiten es gaebe, meinen vater zu erloesen. kein halbes jahr mehr haette ich tatenlos zusehen koennen. ich hatte lange gezoegert mit dieser frage an sie heran zu treten, aber wenige monate vor seinem tod, war es unaushaltbar geworden.

es gab diese zeitspanne von fast zwei jahren. da waren wir gluecklich. wir haben auf meiner matratze gelegen und zusammen 'slave to the wage' von placebo gehoert und uns ueber lohnsklaven unterhalten, latein zusammen gelernt und ich habe mich an seinen dicken bauch gekuschelt. wir haben taeglich telefoniert und zweimal in der woche hat er mich und meine mutter besucht, wir haben zusammen gegessen und uns sehr gut verstanden. gelacht haben wir viel und meine mutter und ich dachten 'jetzt wird alles gut.'

als ich im auto auf der autobahn an der ausschilderung zum roemisch-germanischen museuem vorbei fuhr, musste ich weinen. da hat er noch gelebt, aber ich wusste auch: das alles ist fuer ihn nicht mehr. anfangs habe ich auch darunter gelitten, dass er all dieses wissen mit ins grab nehmen wuerde und dass da nie jemand war ihm zuzuhoeren ausser mir, auch schon vorher nicht. ich frage mich, ob alles besser geworden waere, wenn es damals schon das internet gegeben haette. ob er seine menschen gefunden haette vielleicht oder zumindest eine geistige enklave. er haette nicht so viel mit dieser welt interagieren muessen, das ist ihm nicht bekommen.

musik hat er nicht mehr gehoert die letzten jahre. ich habe ihm einmal musik mitgebracht und vorgespielt, placebo war das, und er musste weinen. ich schaeme mich sehr, dass ich es nicht ertragen konnte, weil es auch mein schmerz war, aber doch so viel mehr seiner, und ich ihm nie wieder musik mitgebracht habe. er hat sonst nie geweint.

dass die eltern meines menschens so richtige oekos sind, so mit voegel angucken und das alles, das haette ihn auch sehr gefreut. ich glaube, sie haetten sich sehr gut verstanden. von den alten ichweisnichtwas-denkmaelern, die sie im urlaub angesehen haben, in jordanien, haetten sie erzaehlt und mein vater haette ihnen erklaert, was es damit auf sich hat, alles haette er gewusst und ich waere stolz auf meinen papa gewesen, den sonst alle immer nur sonderbar fanden. und auf die frage, wo der name 'dammhirsch' herkommt, haette er sofort geantwortet, dass diese tierart schon frueh quasi domestiziert war und dass das wort 'damm' eigentlich 'dam' und daher 'zahm' bedeutet. und mit den kindern die dammhirsche beobachten, das haette er geliebt und ich haette seine hand genommen und wir haetten beide gedacht 'das haben wir auch zusammen gemacht damals, weisst du noch? und weisst du noch, wie schoen das war?'.

jetzt ist es endlich mein schmerz.

парк лейхтенбергского
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wenn ich doch nur eine kamerea dabei gehabt haette. ich war eigentlich nur joggen. dort:

http://www.panoramio.com/photo/50132469

http://www.panoramio.com/photo/36520002

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http://www.panoramio.com/photo/71768162

http://www.panoramio.com/photo/52993764

http://www.panoramio.com/photo/52993782

man muss dazu noch anmerken, dass heute vermutlich einer der schoensten 'goldenen oktober' tage ist, die es ueberhaupt gibt.

Санкт-Петербург I
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(heute zur abwechslung ziegen statt kuehe auf dem campus.)
ansonsten jede menge (non-soviet)kitsch

Петергоф
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Санкт-Петербург
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und ein bischen sonstiges

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da wohn ich.
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математик-механика факультет (auf korrektre grammatik kann in diesem kontext keine ruecksicht genommen werden)
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Београд - II
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Београд - II

импресијаCollapse )

Београд
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Београд - I

импресијаCollapse )

\random( )
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goCollapse )

(no subject)
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http://www.youtube.com/watch?v=T6mz5FA_epw

budapest - miskolc - kosice - presov - krakow - warszawa - poznan
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budapest










szentendre








miskolc (diosgyör)












zwischen der slovakai und polen die tatra








krakow






warszawa





poznan - ehemalige schlachterei u. sonstiges





















































































































EMBEDDED ART - kunst im namen der sicherheit
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WEISSE WEIHNACHT WEISSER PHOPHOR

ja, sicher DEREN nahrungsmittel vertanken, war ja auch DEREN erdöl, warm dann nicht auch DEREN nieren verwenden

übrigens:
WAR ON TERROR gibt es auch als brettspiel

Lebende Leichen/Ur-Teile
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Als ich erfuhr, dass der Zimmernachbar meines Vaters verstorben ist, war ich einen Momanet lang sehr froh, ja erleichtert. Ich sah seinen Schädel vor mir, die leeren Augen, genau wie der Mund nach innen gerichtet. Seine Arme verkrampft, wie zum zum Selbstschutz vor dem Körper gefaltet - einem Boxer gleichend, der wankend seinen letzten Schalg erwartet. Ein zynischer Verlgeich, wenn man bedenkt, dass er einmal ein großer Turner gewesen sein soll?
Das Wimmern und Stöhnen, welches er besonders nach der erzwungenen Nahrungsaufnahme von sich gab, vergesse ich (hoffentlich?) genauso schnell, wie alles andere menschliche Eleng, das ich täglich (stündlich?) sehe, höre oder am schlimmsten – fühle.
Aber bleibt nicht immer auch ein Teil des Grauens in uns hängen? So wie manche Gifte die ebenfalls im Körper akkumulieren? Diese könnten letztlich zu Blindheit oder gar zu Gedächtnisverlust führen, wie auch Alkohol. Paradox, wie sich hier der Kreis schließt, denn trinken wir nicht um eben jene Stachel der schmerzenden Erfahrungen aus unserem wunden Seelenfleisch auszuspülen und da dies nicht gelingt bleibt uns als Trost die betäubende Wirkung.
Man wird ihm eine neue Leiche ins Zimmer legen.

Ich genieße die Sonntage sehr. Das schönste ist, dass die Zeitung an diesem Tag nicht kommt. Nun, da die Flucht in die Naturwissenschaft mir durch die letzten Wochen, in denen ich gezwungen war mich über alle Maßen mit diesen zu beschäftigen, etwas verleidet wurde, kann ich mich der Realität nur schwer entziehen. Als ob ich es wollte. Dennoch schmerzt es oft fast zu sehr. Es ist mir immernoch nicht geglungen, einen Weg zu finden, mit all dem umzugehen. Darf es das.

(„Bin ich nicht Mensch, blutet mir nicht das Herz“)

Scham überkommt mich, bei dem Gedanken mich für meine Tränen zu schämen, die mich beim Lesen der Nachrichten in der U-Bahn manchmal in Kleinstmengen überkommen. Wuttränen. Makaber, wie ihr Salz in den vor Kälte aufgeprungenen Wunden meiner Handknöchel brennt beim Lesen über die Brennenden in Gaza.

Wie gut verstehe ich all giejenigen, welche sich nicht mit diesem Elend konfrontieren wollen. Ich kann und will niemanden verurteilen. Ver-ur-teilen, damit hat das ganze ja meistens angefangen. Ein sehr seltsames Wort. Was soll das für ein Ur-Teil sein, das hier jemanden zugetragen wird? Die Vorsilbe ur- macht stutzig. Anmaßend, eine Meinung über etwas (jemanden!) mit einem so absolutistisch anmutenden Attribut zu belegen. Ur-sprung, ur-eigens, ur-zeit, das sind Dinge von enormer allgemeiner Gültigkeit. Sich ein Urteil über jemanden machen. Dieses Ur steht in völligem Widerspruch zur prinzipiell subkektiven Natur eines Urteils, zu seiner Fehlbarkeit. Is es dieses ur, was unsere Vor-ur-teile so hartnäckig fortbestehen lässt? Was uns suggeriert, es wäre natürlicherweise legitim unser eigenes Urteil über das eines anderen zu stellen? Scheinbar haben die beiden Buchstaben ganze Arbeit geleistet.
Ich verweigere mich zukünftig diesem Wort. Meinung, das geht. Das hervortretende „mein“ lässt erkennen, dass es hier um etwas subjektives, fehlbares, menschliches geht.

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